Wie steht es um den #Westen und die #EU? Die Lage in der #Ukraine, im #Gaza-Streifen und um #Taiwan ist prekär. Aufwachen: Es geht auch um unsere Zukunft! Eric Guyer / NZZ mit Warnruf!
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“Der Ukraine-Krieg dauert bald zwei Jahre, jetzt tobt auch noch der Gaza-Krieg. Kann es noch schlimmer kommen? Es kann. Hält der Kreml durch, überlebt die Hamas als Organisation, ist der Westen in zwei kritischen Regionen geschwächt
Jeder Krieg geht einmal zu Ende, ungewiss ist nur, wann. Putin versucht, den Krieg in die Länge zu ziehen, in der Erwartung, ein frisch gewählter Präsident Trump werde der Ukraine die Unterstützung versagen. Im Nahen Osten ticken die Uhren anders: Die USA drängen Israel, rasch die Kampfhandlungen einzustellen. Jeder Krieg hat sein eigenes Tempo, doch gegenwärtig verstärken sich die Entwicklungen in unheilvoller Weise.
Schon jetzt zeigen sich Amerika und Europa überfordert, zwei Kriegen gleichzeitig die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. 2024 wird für den Westen ein Höllenjahr. Kann es überhaupt schlimmer kommen? Es kann, wenn sich die militärischen Momentaufnahmen zu neuen Kräfteverhältnissen verdichten.
Die Ukraine kann den Krieg verlieren
Vom osteuropäischen Kriegsschauplatz kommen schlechte Nachrichten. Die ukrainische Offensive, auf der alle Hoffnungen ruhten, ist gescheitert. Die Geländegewinne blieben marginal, erkauft wurden sie mit hohen Opfern an Menschen und Material. 2022 endete mit einem Erfolg Kiews und der Rückeroberung weiter Gebiete. Aus diesem Jahr geht Putin als Sieger hervor. Seine Truppen haben allen Angriffen getrotzt – auch dank den Drohnen, die jede Truppenkonzentration frühzeitig erspähen. Der natürliche Vorteil des Verteidigers wächst dadurch noch einmal. Es scheint, als könne Putins Kriegsmaschine auf diese Art noch lange durchhalten.
Der Glaube, Moskau würden Soldaten und Waffen ausgehen, erweist sich als Wunschdenken. Vielmehr ist es Kiew, dem die Aushebung von Rekruten Kopfzerbrechen bereitet. Zudem schickt die Nato Waffen erst nach langem Palaver. Mit wachsender Kriegsmüdigkeit im Westen drohen die Lieferungen vollends zum Rinnsal zu werden.
Zieht Trump ins Weisse Haus ein, werden die Karten ohnehin neu gemischt. Ohne Nachschub wird die Ukraine verlieren. Ganz Europa würde dafür einen hohen geostrategischen Preis zahlen.
Der Faktor Zeit kann Kriege entscheiden. Bedeutete anfangs jeder Tag, den die Ukrainer durchhielten, einen kleinen Sieg, lastet nun jeder zusätzliche Monat schwer auf ihren Schultern. Erstmals seit Kriegsbeginn, als sie nur knapp den Vorstoss auf Kiew abwehren konnten, müssen sich die Ukrainer mit der Möglichkeit einer Niederlage auseinandersetzen. Für sie wäre alles andere als die umfassende Befreiung der besetzten Gebiete ein Fiasko. Putin genügt es, seine Eroberungen zu verteidigen. 2024 wird zum Schlüsseljahr. Es bestimmt, in welche Richtung sich der Krieg entwickelt.
Während in der Ukraine ein Stellungskrieg wie vor Verdun tobt, ist der Gaza-Krieg ein Novum. Hier wird in drei Dimensionen gekämpft: in der Luft, am Boden und unter der Erde. Israels Armee ist haushoch überlegen, doch das Häuser-Labyrinth und die Tunnel machen diesen Vorteil zunichte. In die Unterwelt der Hamas einzudringen, ist ein Himmelfahrtskommando.
Vorsichtig ziehen die israelischen Streitkräfte den Belagerungsring enger. Gelingt es ihnen, die gegnerische Führungsriege auszuschalten und ihre Stellungen zu zerstören, kann die Terrorgruppe das israelische Kernland für viele Jahre nicht mehr bedrohen. Das würde auch die iranischen Hintermänner der Hamas schwächen.
Eine solche Offensive braucht jedoch Zeit, die Präsident Biden nicht hat. Der Westen erträgt die Bilder palästinensischen Leids nicht, die weinenden Babys, die Toten, die Betonskelette zerstörter Stadtviertel. Man hofft auf den raschen Frieden, vor allem Bidens Anhänger, von denen viele ohnehin Israel feindlich gegenüberstehen.
Weil der Präsidentschaftswahlkampf seinen Schatten vorauswirft, schwindet Bidens Bewegungsfreiheit. Er weiss nicht, ob er noch Hilfspakete für die Ukraine durch den Kongress bringt. Zugleich steht er unter Druck, den Gaza-Krieg zu stoppen. Muss Israel innehalten, bevor es seine Ziele auf dem Schlachtfeld erreicht, bleibt die Hamas ein Machtfaktor. Dann wird Iran den politischen und militärischen Profit einstreichen und sein Powerplay intensivieren.
Schon jetzt ist Saudiarabien ziemlich still, weil es den starken Nachbarn nicht provozieren will. Viele der arabischen Regime, die pflichtschuldig Israel verurteilen, hoffen insgeheim auf eine Niederlage der Hamas und damit auch der regionalen Vormacht Iran. Triumphiert Teheran, weil die USA Israel in den Arm fallen, sinkt das amerikanische Prestige weiter.
In Gaza herrscht auch nach dem Ende der Kämpfe Chaos
Die Aussichten fürs nächste Jahr sind also trübe – auch deshalb, weil selbst ein totaler Sieg der Israeli nicht einmal im Ansatz eine politische Lösung vorspurt. Kriege haben in Palästina noch nie Frieden und Aussöhnung gebracht. Sie sind nur das Vorspiel für den nächsten Waffengang. Amerikaner und Europäer reden derzeit zwar viel von einer Beilegung des Kriegs durch Verhandlungen. Einen Plan haben sie aber nicht.
Die als Hoffnungsträger gehandelte Palästinenserbehörde im Westjordanland ist korrupt und völlig diskreditiert. Wie soll sie glaubwürdig und effizient den Gazastreifen regieren? Die arabischen Staaten werden sich hüten, Friedenstruppen zu stellen. Am wahrscheinlichsten ist daher eine Wiederbesetzung durch Israel. Politische Ideologien lassen sich mit Waffengewalt nicht vernichten, und je mehr von der Hamas übrig bleibt, umso leichter wird es ihr fallen, den Widerstand gegen die Okkupation zu organisieren.
Als Titel der Serie über die palästinensisch-israelische Feindschaft wählten ihre Macher «Fauda», das arabische Wort für Chaos. Gleichgültig, ob die Waffen früher oder später schweigen, wird in Gaza Fauda herrschen. Der Westen hat nur die Alternative, ob er Chaos mit mehr oder weniger Hamas haben will. Er wird sich für Erstes entscheiden und der Chimäre eines schnellen Friedens nachjagen. Die Araber dürften das als amerikanische Schwäche auslegen. Setzt Washington seinen Schlingerkurs in der Region fort? Auch hier wird das nächste Jahr Aufschluss geben.
Seit der Jahrtausendwende haben die Amerikaner und ihre Alliierten das wichtigste Ziel der Geopolitik vergessen: das militärische Gleichgewicht zu erhalten und dadurch in Schlüsselregionen Gegner abzuschrecken. Russland investierte seinen Wohlstand ins Militär. Die Nato zog nicht mit. Im Gegenteil: Sie kürzte, strich und sparte.
Im Nahen Osten dasselbe Bild. Amerika agierte in Syrien und im Irak widersprüchlich und verprellte seine Verbündeten Ägypten und Saudiarabien. Das Mullah-Regime nutzt den Freiraum. Irans konventionelle Rüstung, ergänzt um verbündete Milizen, stellt heute einen vermutlich noch grösseren Machtfaktor dar als sein Atomprogramm.
Die westliche Abschreckung funktioniert nicht. Putin und die Palästinenser fühlten sich ermutigt, in einer nicht für möglich gehaltenen Brutalität zuzuschlagen. Hält der Kreml durch, überlebt die Hamas als militärische Organisation, ist der Westen in zwei von drei kritischen Regionen der eurasischen Landmasse geschwächt: in Osteuropa und im Nahen Osten.
China wird daraus seine Schlüsse ziehen für den dritten eurasischen Hotspot: für Taiwan. Die USA und ihre Alliierten wollen Stabilität und Frieden. Die revisionistischen Mächte Russland, China und Iran wollen Chaos. Das erleichtert es ihnen, die Machtverhältnisse zu verändern. 2024 sind die Chancen hierfür besser denn je.
Wenn sich in der Ukraine die Fronten verfestigen und die Kräfteverhältnisse in ein Patt münden, setzt sich das Putin-Prinzip durch: Grenzen können mit Gewalt verändert werden. Osteuropa wäre dauerhaft bedroht. Auch im Nahen Osten wird der Krieg noch lange nachwirken.
Zerschlägt Israel die Hamas nicht völlig, wird diese das in einen Sieg ummünzen. Sie hätte damit gar nicht so unrecht, denn Israel hat nur die Wahl zwischen schlecht und katastrophal. Verantwortung für den Gazastreifen übernehmen zu müssen, ist ein Albtraum; die Mörder des 7. Oktobers davonkommen zu lassen, eine Demütigung. Vermutlich wird Netanyahu darüber stürzen. Eine andere Palästinenserpolitik wäre dann aber auch nicht in Sicht. Im besten Fall folgt ein Ministerpräsident mit Ansichten wie Netanyahu, nur ohne seine Skandale.
Die Ruhe, nach der sich der Westen sehnt, kehrt nicht so bald ein. Die Amerikaner können sich einreden, dass sich beide Konflikte weit entfernt abspielen. Den Trost haben die Europäer nicht. Noch mehr ukrainische Flüchtlinge und noch mehr arabischer Extremismus sind eine realistische Perspektive. Gewinnt dann noch Trump die Wahlen, ist aus europäischer Sicht das Höllenjahr perfekt.“
https://x.com/zeitonline/status/1726108974892654761?s=46&t=o69FNmu72t3MXJa4fDubcQ
https://x.com/carlomasala1/status/1725865112219591039?s=46&t=o69FNmu72t3MXJa4fDubcQ
https://www.nzz.ch/meinung/2024-wird-ein-hoellenjahr-der-westen-zahlt-den-preis-fuer-seine-geopolitischen-irrtuemer-ld.1766087